Freitag, 14. Dezember 2012

Kontrolliert außer Kontrolle - Das Tagebuch einer Magersüchtigen von Hanna-Charlotte Blumroth vom Lehn

Allgemeines:
Titel: Kontolliert außer Kontrolle - Das Tagebuch einer Magersüchtigen
Autor/-in: Hanna-Charlotte Blumroth vom Lehn
Form: Taschenbuch(343 Seiten)
Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf
Erscheinungsjahr: 2012
Preis: 9,95 €
ISBN: 978-3-86265-199-3

Vorsicht ! Dieses Buch kann eine sehr triggernde Wirkung haben für Menschen, die von diesem Thema stark betroffen sind.

Klappentext:
"Heute ist es so weit. Laut Plan muss ich zwei Brötchen essen, mit 20 Gramm Butter und ausreichend Belag. Das ist so unglaublich schwer: Mein Kopf rattert und die Hand nach den Butterpäckchen auszustrecken ist, als müsste ich einen Fallschirmsprung wagen." Hanna-Charlotte Blumroth vom Lehn

Mit 16 Jahren beginnt Hanna-Charlotte, ihr Essverhalten strengstens zu kontrollieren und immer mehr abzunehmen. Obgleich sie lange Zeit abstreitet, magersüchtig zu sein, muss sie eines Tages einsehen, dass sie so nicht weitermachen kann.
Ihr Zustand ist lebensbedrohlich, als sie in eine Klinik eingewiesen wird. Dort beginnt sie die Arbeit an diesem Buch, in dem sie ihre Krankheit beschreibt und nach den Gründen für ihre Esstörung sucht.
Ihre Tagebuchaufzeichnungen zeigen auf sehr eindringliche Weise, wie sie sich immer wieder in den gefährlichen Zwangsgedanken der Magersucht verliert, aber auch versucht, gegen ihre Krankheit anzukämpfen und ihre Lebensfreude wiederzugewinnen.

Inhalt:
Hanna-Charlotte beginnt mit 16 Jahren immer mehr Sport zu machen und immer weniger zu essen. Sie hat Angst davor, dick zu werden und gerät auf diese Weise in die Magersucht. Nach etlichen Auseinandersetzungen mit der Familie, insbesondere mit der Mutter, muss Hanna in eine Klinik. Doch auch das hilft nichts, sobald sie wieder zuhause ist, fällt sie wieder in den alten Trott zurück. Sie selbst möchte zwar die Krankheit besiegen, doch ihr Verstand verweigert dies. Schließlich kommt Hanna mit einem Gewicht von 29kg bei einer Größe von 1,62m erneut in eine Klinik und scheint auf dem Weg der Besserung zu sein. Doch schafft sie es, die Krankheit in den Griff zu bekommen und wieder ein lebenswertes Leben zu leben?

Meinung:
Dieses Buch habe ich angefangen und es hat mich bereits beim Vorwort gefesselt und mir einiges aus den Köpfen Betroffener näher gebracht. Hanna-Charlotte erzählt mit einem guten Schreibstil auf bewegende Art und Weise, wie man in die Magersucht gerät, die zwei Stimmen in ihrem Kopf immer miteinander kämpfen und wie die Magersucht ihr langsam das Leben kaputt gemacht hat.

"Boah, das war zu viel! Konntest du dich wieder nicht beherrschen?" - "Du hast nicht zu viel gegessen, du hattest doch den ganzen Tag über kaum etwas, dann ist es doch klar, dass der Hunger umso größer ist."

Mich hat dieses Buch mitgenommen, ich konnte mir sehr gut vorstellen, wie sie sich gefühlt haben muss und wie sie einerseits weiß, dass diese Krankheit ihr Todesurteil sein könnte, andererseits auch einfach nicht aufhören will magersüchtig zu sein.

"Und ich weiß nicht, ob ich es will. Wie gesagt: Wenn ich nicht mehr magersüchtig bin, bin ich nichts mehr."

Das Buch hat mir vieles näher gebracht und ich denke, ich verstehe nun besser was in solchen Menschen vorgeht und dass es nicht viel bringt, den Menschen vor Augen zu führen was für Folgen das haben kann. Letzendlich muss man es selbst wollen, erst dann bringt auch ein Klinikaufenthalt was.
Ich wollte unbedingt wissen wie es weitergeht, ob Hanna es schafft, normal zu essen und ihr Leben besser in den Griff zu bekommen. Deswegen habe ich in jeder freien Minute dieses Buch zur Hand genommen, natürlich auch, weil mich das Thema nicht loslassen wollte und ich mich sowieso sehr für Erfahrungsberichte oder Geschichten über reale Themen interessiere.
Um über die Magersucht zu berichten, nimmt sie kein Blatt vor den Mund und versucht dem Leser auf die beste Art und Weise diese Krankheit näher zu bringen.

Gestaltung: 
Zuerst das Cover, welches ich sehr schön finde. Besonders dadurch, dass alles schwarz-weiß ist und nur die Augen hervorgehoben werden, finde ich ist dieses Cover ein echter Eyecatcher. Übrigens finde ich auch das Hanna sehr schön und erwachsen rüber kommt.
Auch die innere Gestaltung des Buches hat mir sehr gefallen, da jedes Kapitel mit einem Bild von Hanna eingeleitet wurde.


Hanna heute. Allerdings werden auch diese Bilder nur in schwarz-weiß abgebildet.

Fazit:
Hanna-Charlotte hat es geschafft, über ihre Schwächen zu schreiben und ihre größten Angriffstellen zu offenbaren. Allein dafür gebührt ihr großer Respekt.
Durch dieses Buch konnte ich mich besser in sie und andere Magersüchtige hineinversetzen, ich habe ein bisschen mehr verstanden, wie es ist mit so einer Krankheit zu leben und wie es den Betroffenen geht.
Auch wenn wir glauben, dass sie es selbst so wollen, ist das nicht der Fall. Dieses Buch geht einem an die Nieren, ob man will oder nicht und als ich es zugeschlagen hab, wusste ich, dass ich mir noch lange Gedanken über dieses Thema machen werde. Alles in allem ein unglaublich gutes Buch mit einem sensiblen Thema, welches es in dieser Form noch nicht gegegeben hat.
Auf ihrem Weg wünsche ich Hanna noch alles Gute und dass sie hoffentlich weiß, dass sie auch ohne Magersucht etwas besonderes ist, nämlich jemand, der genug Mut hatte, sein gesamtes Leben mit dieser Krankheit preiszugeben. Und vielleicht wird sie eines Tages etwas besonderes sein, weil sie dann zu den Personen gehört, die es geschafft haben, diese Krankheit zu besiegen.


Fünf Schmetterlinge, für ein Buch, in dem gnadenlos alle Seiten der Magersucht und das Leben mit ihr Beschrieben wurden. Diese Buch geht einem bis ins Innerste, wo es auch bleibt.

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