Donnerstag, 7. März 2013

Flüsterkinder - Dein Mann hat uns missbraucht: Ein Brief an unsere Mutter von Mona und Ulla Michaelsen

Allgemeines:
Titel: Flüsterkinder - Dein Mann hat uns missbraucht: Ein Brief an unsere Mutter
Autor/-in: Mona und Ulla Michaelsen
Form: Taschenbuch(363 Seiten)
Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf
Erscheinungsjahr: 2011
Preis: 12,95 €
ISBN: 978-3-86265-039-2

Klappentext:
Mona war fünf, als sie das erste Mal von ihrem Stiefvater missbraucht wurde. Jahrelang musste sie seine Übergriffe erdulden und auch noch mitansehen, wie er ihrer kleinen Schwester Ulla dasselbe antat. Erst mit über vierzig Jahren schreibt Mona einen schonungslos offenen Brief an ihre Mutter, die damals wegschaute. Mit beklemmender Eindringlichkeit konfrontiert sie sie mit der schrecklichen Wahrheit.
Flüsterkind hat bei Erscheinen viele Tausend Leser gefunden. In der erweiterten Neuausgabe des SPIEGEL-Bestsellers erzählt Mona nun auch, was alles vor und nach dem ersten Buch passierte. Am meisten hat sie die Versöhnung mit ihrer Schwester Ulla bewegt, die sich jetzt ebenfalls entschlossen hat, ihr Schweigen zu brechen. Hier schildert jetzt auch Ulla ihren Blick auf die Dinge. So wurden aus dem Flüsterkind die Flüsterkinder.
Mit ihrer Geschichte machen Mona und Ulla Mut und zeigen, dass es nie zun spät ist, sich zu wehren.

Inhalt:
Mona und Ulla Michaelsen wurden von ihrem Stiefvater sexuell missbraucht. Er droht und schlägt sie und die Kinder wissen zuerst gar nicht, was wirklich vor sich geht. Er lebt seine Fantasien an den Kindern aus. Doch irgendwann geht Mona zu ihrer Mutter, und erzählt ihr davon. Des Lügens beschuldigt, wird sie verprügelt. Schläge sind in dieser Familie ein Teil des Alltags. Mit ihren vier Geschwistern wachsen die Mädchen unter schlimmsten Bedingungen auf. Mona übernimmt die Mutterrolle, muss nachts ihren Geschwistern die Flasche geben oder den Hintern abputzen. Auch Beleidigungen wie "Hure", "Miststück" oder "zu dumm zum scheißen" müssen sich die Kinder anhören. Und es scheint kein Ende des Terrors in Sicht zu sein, bis Mona endlich achtzehn ist, ihre Sachen packt und verschwindet.

Meinung:
Jetzt mal im Ernst, ich hab noch nie ein Buch gelesen, in dem so viele Schimpfwörter und Beleidigungen standen. Diesem Vater würd ich mit dem Knie voran ins Gesicht springen, wenn ich dem Begegnen würde. Aber die Mutter ist auch nicht viel besser. Ich kann nicht eine ihrer Handlungen nachvollziehen und verachte beide aus vollem Herzen. So etwas hat kein Kind auf dieser Welt verdient, der Umgang in diesem Haus ist schrecklich, grauenhaft, ich weiß nicht wie man den sonst beschreiben soll. Das eine Mutter ihren Kindern zur Seite steht ist für mich etwas Selbstverständliches. Doch diese hier weiß was ihre Kinder erleiden müssen, sie kennt die Details, tut aber gar nichts. Mehr als einmal hab ich die Hände auf meinen Kopf gelegt und gedacht, dass ich nicht verstehen kann, wieso eine Frau sowas tut. Oder warum ein Mann so etwas schrecklich Perverses tut. Denn das was der macht, ist ja nicht einfach nur Missbrauch. Er hat sie zu Sachen gezwungen, die nicht einmal in meinen Albträumen vorkämen. Dieses Buch geht einem wirklich an die Nieren, anders kann ich es nicht sagen. Ich musste erstmal ein paar Mal schlucken, als ich es zugeschlagen habe und habe mir dann den Kopf darüber zerbrochen. Es fesselt einen und man kann es einfach nicht aus der Hand legen, unmöglich. Dafür ist man mit seinen Emotionen viel zu sehr in der Geschichte, versucht zu verstehen, mitzufühlen und wird abgestoßen von den Gräueltaten von denen man lesen muss. Das Buch ist wirklich ein Brief, es wird in der Du-Form an die Mutter geschrieben.

Zitate(sind zu viele, als dass ich die jetzt so einbauen könnte):

"Ich will Dich, so schmerzhaft wie möglich, an alles erinnern, was Du gesagt und getan oder eben auch nicht getan hast."
Mona

"Ich fühlte mich taub, ganz leer, konnte nicht fassen, dass ein  Mensch einem anderen so etwas antun konnte."
Mona
" Hier bist nicht Du das Opfer. Das sind wir, Ulla und ich. Du bist Mittäterin."
Mona
"Und nicht nur Opfer würden hören, lesen und sehen, was ich zu sagen hatte, sondern mit Sicherheit auch eine beträchtliche Anzahl an Tätern. Ich hoffe nicht darauf, dass plötzlich dem einen oder anderen pädophilen Seelentöter wirklich klar wird, was er den Kindern und Jugendlichen da eigentlich antut, aber ich hoffe darauf, dass sich der eine oder andere von ihnen vor Angst in die Hosen macht bei dem Gedanken, dass auch sein Opfer plötzlich auf die Idee kommen könnte, den Mund auzumachen."
Mona
Gestaltung:
Die Frauen haben einen heiden Respekt von allen verdient dafür, dass sie ihre Gesichter zeigen. Nach dem man weiß, was die Medien anrichten können, ist dass ein überaus mutiger Schritt.

Fazit:
Ein unglaublich berührendes Buch, welches sich tief in mein Herz und mein Gehirn eingebrannt hat. Ich bin fassungslos über solche Eltern und schätze jetzt umso mehr, dass ich in so einer liebevollen Familie aufwachsen durfte. Dieses Buch spricht seine eigene Sprache und verdient es so erfolgreich zu sein.
An dieser Stelle kann ich nur meine Bewunderung und meinen Respekt an Mona und Ulla aussprechen und ihnen alles Liebe und Gute auf ihrem restlichen Lebensweg wünschen. Diese beiden, insbesondere Mona, sind mit einem Beispiel vorangegangen, von dem ich hoffe, dass diesem noch viele Leute folgen werden, nämlich dass sie nicht mehr schweigen, sondern den Mut finden, den Mund aufzumachen, damit ihre Täter die Strafe bekommen, die sie verdienen.
Natürlich bekommt ein solches Buch keine andere Wertung als die volle Punktzahl.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen