Sonntag, 23. Februar 2014

Rückwärts ist kein Weg - Lilli, 14, schwanger von Jana Frey

Ich weise noch einmal darauf hin, dass es sich hier um meine eigene Meinung handelt. Ich möchte niemanden verurteilen, ich möchte nur darauf hinweisen, dass es mehrere Möglichkeiten gibt, mit einer Schwangerschaft in dem Alter umzugehen.

Allgemeines:
Titel: Rückwärts ist kein Weg - Lilli, 14, schwanger
Autor/-in: Jana Frey
Form: Taschenbuch (170 Seiten)
Verlag: Fischer generation
Erscheinungsjahr: 2009
Preis: 6,95 €
ISBN: 978-3-596-80560-0

Klappentext:

Testergebnis: schwanger!

Lilli lebt allein mit ihrer Mutter, denn der Vater hat sich noch vor ihrer Geburt aus dem Staub gemacht. Jetzt ist sie vierzehn und überglücklich verliebt in David. Doch dann wird sie ungewollt schwanger! Nun steht Lilli vor der schwersten Entscheidung, die sie je treffen musste: Möchte sie so jung ein Baby bekommen? Wird sie die Verantwortung übernehmen können? Niemand kann ihr diese Entscheidung abnehmen ...

Gestaltung:
Das Cover finde ich gar nicht mal so schlecht. Der dicke Bauch gefällt mir echt gut, ich mag das einfach irgendwie. Zu wissen dass da ein Baby drin ist, finde ich irgendwie voll schön. Und mich freut das auch immer, wenn ich eine schwanger Frau mit kleinem runden Bauch sehe. Das ist schon voll schön irgendwie. Liegt vielleicht auch daran, dass ich Babys total toll finde.
 
Meinung:
Ich war ja von dem letzten Buch der Autorin nur mäßig begeistert und war nun sehr gespannt, wie sie denn mit diesem Thema umgeht. Und ich muss direkt vorne weg sagen, dass ich nicht glaube, dass das hier eine schöne Rezension wird. Vom Thema her habe ich gar kein Problem und interessant war es auch, aber ... Naja, dazu gleich. Der Einstieg fiel mir nicht ganz so leicht, ich war am Anfang ein klein wenig verwirrt. Das lag aber wohl eher an mir selbst, als an dem Buch. Es fängt auf jeden Fall damit an, dass sich Lilli auf die Suche nach ihrem leiblichen Vater macht. Das fand ich auch ganz interessant. Eigentlich ist im Klappentext ja schon alles gesagt dazu. Vom Thema her hat mich das Buch sehr interessiert, immerhin ist es ein typisches Realitybuch. Allerdings wird hier der typische Fall dargestellt, wie man sich eine 14-jährige Mutter vorstellt. Lilli war für mich keine Mutter, sie war vollkommen unzuverlässig. Ich meine, ich war noch nie in so einer Situation, aber Lilli hätte ich wirklich richtig an die Wand klatschen können. Ich kann wirklich behaupten, dass ich anders gehandelt hätte. Zumindest bin ich mir dessen sicher, denn ich war 14 als mein Neffe auf die Welt kam. Klar, ich bin nicht seine Mama, aber trotzdem habe oder hätte ich niemals Lillis Verhalten an den Tag gelegt. Ist ja jetzt auch egal, ich werde nur ziemlich sauer, wenn ich an Lilli denke. Und genau das ist mein Problem mit dem Buch. Hier wird die "asoziale" Teenie-Mum dargestellt, die ihr Kind einfach mal alleine zuhause lässt. FÜR 2 STUNDEN! Was mir persönlich wieder zeigt, dass Mädchen in dem Alter wohl eher keine Kinder bekommen sollten. Klar gibt es bestimmt auch gute Mütter mit vierzehn, aber ich denke einfach, dass viele Mädchen, insbesondere Einzelkinder wie Lilli, die Mutterrolle unterschätzen. Denn es war Lillis Entscheidung gewesen, ein Kind zu bekommen, welches sie kurz nach der Geburt nicht einmal beachtet. In diesem Buch wird eher von den Vorstellungen der Allgemeinheit gesprochen, habe ich so das Gefühl. Wenn ich es richtig verstanden habe, beruht es auf einer wahren Geschichte, die mir leider absolut nicht gefällt. Denn ich bin mir eigentlich sicher, dass es irgendwo auf dieser Welt eine vierzehnjährige gibt, die mit der Mutterrolle klarkommt. Es gibt solche Menschen, bestimmt. Verantwortungsvolle Menschen, die Wissen, was wichtig ist. Mich hätte viel mehr gefreut, wenn es um dieses eine Mädchen gegangen wäre, anstatt um den von Vorurteilen belasteten Sozialfall. Denn wenn ich jetzt schwanger wäre und mir dieses Buch zur Hand genommen hätte, ich glaube, ich hätte viel zu viel Angst davor, genauso eine Mutter zu sein wie Lilli. Das meine ich damit. Ich hatte gehofft hier auf eine ordentliche Lektüre zu treffen, die werdenden Müttern in dem Alter zeigt, dass es auch anders geht. Das man auch mit 14 eine gute Mutter sein kann. Denn ich bin überzeugt, dass das mit der nötigen Unterstützung geht. Stattdessen bekam ich eine 14-jährige vor die Nase gesetzt, die mit einem Kind restlos überfordert war. Tut mir leid, aber Lilli hat mich einfach so wütend gemacht. Weil ein Kind meiner Meinung nach für die Mutter oberste Priorität hat (zumindest in den ersten Monaten/Jahren). Da kann ich mich nun mal nicht mit irgend einem Typen treffen und ihm sagen, dass ich noch nie einen Freund hatte, wenn ich zuhause ein Kind habe, welches ich ganz alleine in der Wohnung gelassen habe. Bitte entschuldigt den etwas aggressiven Tonfall, aber ich liebe Kinder total und könnte (pardon) jedes mal kotzen, wenn ich von solchen Müttern höre oder lese. Es soll sich bitte niemand persönlich angegriffen fühlen, wenn doch tut es mir leid. Aber hier wurde eine stereotypische Mutter beschrieben, die zu leichtsinnig zum Verhüten war und zu egoistisch um eine gute Mutter zu sein. Das ist meine Meinung zu diesem Buch. Mir ist es egal, ab wann wer ein Kind bekommt, solange das Kind erst einmal an oberster Stelle steht und bedingungslos geliebt wird. Eine finanzielle Grundlage sollte auch da sein, damit man seinem Kind etwas bieten kann. Und wenn diese nicht da ist, dann sollte zumindest die nötige Unterstützung da sein, am besten in Form von Eltern oder Ähnliches. Ein Kind zu bekommen ist keine leichte Entscheidung. Man muss sich im klaren sein, was man diesem Kind bieten kann. Kann ich es so lieben, wie das Baby es verdient hat? Kann ich es umsorgen und ihm Geborgenheit schenken, kann ich es glücklich machen und mich rund um die Uhr um das Baby kümmern? Egal ob es drei Uhr Nachts oder drei Uhr Mittags ist? Kann ich meine eigenen Bedürfnisse zurückstellen? Das Kind mal für 'ne Stunde zu Oma zu geben ist ja nicht schlimm, es sollte nur nicht zum Normalfall werden. Tut mir leid, ich schweife total ab. Der Schreibstil von Jana Frey war sehr locker und leicht, es war einfach zu lesen und flüssig mit zu verfolgen. Mir hat das Buch leider überhaupt nicht gefallen. Stattdessen würde ich gerne einmal ein Buch über eine Teenagermutter lesen, die es tatsächlich schafft ihr Kind ordentlich großzuziehen und über sich selbst hinauswächst. Zu dem Thema gibt es von Brigitte Blobel wohl kein Buch, was mich irgendwie traurig macht.
 
Charaktere:
 
Lilli: Ein vierzehn Jahre altes  Mädchen, welches unglaublich verliebt ist. Und zwar auf die leichtsinnige Art. Kann ja sein, dass ich zu spießig bin und alles mal lockerer sehen sollte, aber sollte man sich nicht über die Folgen bewusst sein, wenn man unverhütet Sex hat? Ehrlich, das ist doch nichts einfaches. Also, über das Leben eines Babys zu entscheiden meine ich. Ich könnte kein Baby abtreiben oder zur Adoption freigeben, das wüsste ich. Aber Lilli will es ja auch nicht abtreiben, worüber ich mich zwar sehr gefreut habe, aber was Lilli bestimmt nicht richtig bedacht hat. Denn ganz ehrlich, sie ist alles andere als eine zuverlässige Mutter. Sie ist egoistisch, denkt nur an sich selbst und scheint überhaupt nichts für das Kind zu empfinden. Und ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass es Mütter gibt die keine Bindung zu ihrem Kind während der Schwangerschaft aufbauen. Nun gut, es gibt doch welche aber ... das sind die ganz harten Fälle, denke ich. Damit meine ich die, die ihr Kind in einen Müllsack stecken. Solchen Frauen meine ich mit "Fälle". Aber so hardcore ist Lilli ja dann doch nicht. Sie wird oft und viel von ihrer Mutter unterstützt und ich weiß nicht mehr genau wann, aber irgendwann merkt auch sie, dass ihr Baby wichtig ist. Und da dachte ich, dass es bergauf ginge mit ihr. Ein bisschen allerdings nur, denn wirklich Verantwortung übernehmen tut sie immer noch nicht. Sie lügt, wenn es um den Kleinen geht und geht lieber ohne ihn Eis essen. Stattdessen darf der Kleine dann zwei Stunden alleine Zuhause sich die Lunge rausbrüllen. Oder sie lässt ihr Kind einfach auf der Couch liegen. Solche Sachen passieren ihr und ehrlich, die arme Lilli war einfach restlos überfordert. Von ihrer Mama bekam sie zwar Hilfe, aber von ihrem Freund sowie von dessen Eltern hat man kaum etwas gelesen. Trotzdem mochte ich Lilli leider gar nicht, was einfach davon abhing, wie sie mit ihrem Kind umging.
 
David: Wenn mich nicht alles täuscht, war David sechzehn oder siebzehn als er Lilli schwängerte. David kam mir am Anfang total nett vor und wurde dann irgendwie so ein kleiner Mistkerl. Ich zumindest habe es so verstanden, dass er auch trotz Baby noch mit Lilli zusammen war. Und dann gab es da diese tolle Klassenkameradin ... ich denke, ihr wisst worauf das hinausläuft. Ein toller Vater war er leider auch nicht. Er hat sich zwar besser um das Baby gekümmert, aber die Verantwortung auch eher abgegeben. Vielleicht ist er einmal in der Woche vorbei gekommen und hat da übernachtet, aber wirklich gut gekümmert hat er sich trotzdem nicht um den Kleinen. Er war mir irgendwann einfach unsympathisch, hat Lilli allein gelassen und sich vor der Verantwortung gedrückt. Das ist einfach eine Sache, die nicht geht. Er hat dieses Kind genauso gezeugt wie Lilli und hat dementsprechend genauso viel Verantwortung. Das ist nun einmal so und da hat er einfach Pech gehabt. Verhütung ist doch nicht nur Frauensache, da muss er sich genauso kümmern. Und leider sind die beiden kein Paradebeispiel für gute Eltern oder verantwortungsvolle Jugendliche.
 
Eigentlich wollte ich hier noch ein paar Worte zu Lillis Mutter schreiben. Allerdings kann ich keine klare Meinung zu dieser Frau fassen, denn einerseits kann ich verstehen, dass sie für das Kind ihres Kindes nicht ihr ganzes Leben umkrempelt, aber andererseits hätte ich mir gewünscht, dass sie sich mehr um Lilli kümmert. Denn das es erst soweit kommen musste, ist ja schon schockierend genug. Also, das sie das Kind zum Beispiel alleine ließ etc.
 
Zitate:
 
Keiner kann über dich bestimmen, hatte sie zu mir gesagt. Und deine Entscheidung wird die richtige sein!
Annalenas (Freundin von Lilli) Oma zu Lilli
 
Fazit:
Kann sein, dass diese Rezension jetzt sehr reißerisch und aggressiv ist. Das tut mir sehr leid, aber ich kann zu diesem Buch irgendwie keine anderen Worte finden. Denn ich hätte mir wirklich gewünscht, dass in diesem Buch nicht so eine "Mitten-im-Leben" Teeniegeschichte erzählt wird, sondern wir eine positive Geschichte daraus hervorlesen können. Stattdessen konnte ich mich über Lilli nur aufregen. Eine wirklich herbe Enttäuschung für mich, die trotzdem auf eine Art Unterhaltsam war. Denn man sieht, wie erwähnt, die "schlechte" Seite einer solchen Schwangerschaft und bekommt viel Stoff zum Nachdenken und diskutieren.
Von mir bekommt dieses Buch noch nett gemeinte 3/5 Schmetterlingen.

Kommentare:

  1. Hallo Linda,

    ist ein generelles Problem mit der Jugend von heute..alles haben wollen, aber ohne mögliche Verantwortung zu übernehmen. Wobei ich mit 14 Jahren hätte ohnehin noch nicht an Sex gedacht, aber die Zeiten haben sich ja geändert und was mich persönlich nervt ..ist diese Art ...ja Sex und Liebe ..aber Verhütung nein danke...
    Erst denken, dann handeln...

    Und viele wollen einfach ihr Leben so weiterleben trotz Baby..hm.

    Vielleicht sehe ich das auch als Mutter von Teenager zu eng. Aber so läuft das Leben nicht..es ist ein geben und nehmen und die Verantwortung der Oma dann auf zu drücken kann auch nicht die Lösung sein...

    Ein Baby braucht Liebe und entsprechende Fürsorge ist keine Sache zum Spielen und wenn man es nicht mehr mag...legt man es einfach weg/ab.

    Ich empfinde, solche Bücher eher als traurig und es sollte einfach mehr Aufklärungen in den Schulen betrieben werden..damit so was nicht so oft passiert...

    LG..Karin..

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    1. Hallo Karin,

      du siehst das auf keinen Fall zu eng. Ich sehe das ja genauso. Das Buch macht auch eher traurig, bzw. mich hat es eher wütend gemacht. Eben weil ich da genauso denke wie du.

      Liebe Grüße
      Linda

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