Sonntag, 27. April 2014

Roter Mond von Benjamin Percy

Allgemeines:
Titel: Roter Mond
Autor/-in: Benjamin Percy
Form: Hardcover (638 Seiten)
Verlag: Penhaligon
Erscheinungsjahr: 2014
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-7645-3123-2

Klappentext:

Als Regierungsagenten Claire Forresters Haustür eintreten und ihre Eltern ermorden, muss sie erkennen, dass sie und ihre Familie schon immer Ausgestoßene waren. Der junge Patrick Gamble hat sich noch nie von der Masse abgehoben, bis zu dem Tag als er ein Flugzeug besteigt und es Stunden später wieder verlässt - als einziger Überlebender eines Terroranschlags, als gefeierter Held. Chase Williams hat seinen Wählern versprochen, die USA vor Terror zu beschützen. Doch nun wird er selbst zu dem, was er zu vernichten geschworen hat. 
Bis heute wurde die Bedrohung durch Gesetze, Gewalt und Drogen in Schach gehalten. Doch die Nacht des Roten Mondes rückt näher, in der die letzte Schlacht um Freiheit und Menschlichkeit beginnt ...

Gestaltung:
An sich hat das Buch keine besondere Gestaltung. Einzig das Cover ist hier zu bewerten. Der rote Mond ist schon ein ziemlicher Blickfang, vor allem durch die verschiedenen Schichten und den vollkommen schwarzen Hintergrund. Dadurch hebt er sich noch mehr ab. Passend zur Geschichte ist er meiner Meinung nach auf jeden Fall und letzendlich wird auch aufgeklärt, in welchem Zusammenhang der Mond eine Bedeutung hat.

Meinung:
Als ich die E-Mail vom Verlag erhielt, bin ich schon ziemlich neugierig auf das Buch geworden. Es klang sehr interessant und ich konnte mir eine gewisse Richtung denken, in die das Buch gehen könnte. Damit behielt ich auch recht und war danach umso gespannter, wie mir dieses Buch wohl gefallen würde. Ich muss gestehen, dass ich leider zu Beginn wirkliche Probleme hatte. Der Anfang war etwas verwirrend, der Schreibstil gewöhnungsbedürftig. Ich bin nicht so ganz rein gekommen, vor allem da das Buch mehrere Protagonisten hat und mit jedem Kapitel die Geschichte eines anderen Charakters erzählt wurde. Das hat mich leider immer etwas rausgebracht. Denn auch die Spannung hat dadurch immer etwas nachgelassen. Nach einer gewissen Zeit fing es dann an, dass die Personen nicht nur mit dem Kapitel wechselten, sondern direkt im Kapitel. Die Abstände diesbezüglich wurden immer kürzer und je weiter ich kam, desto genervter war ich schließlich von dem Buch. Das hat mir leider wirklich die Lust am Lesen genommen, wodurch ich auch sehr unmotiviert war, weiter zu lesen. Aber ich muss sagen, dass mit dem Aufeinandertreffen bestimmter Charaktere die Geschichte für mich eine neue Würze bekam. Als Claire und Patrick sich zum Beispiel kennen lernten, kam für mich eine neue Spannung hinein. Danach ging für mich ziemlich vieles ziemlich schnell und ich war wieder mehr an der Geschichte interessiert. Was mir besonders gut gefallen hat, war vor allem die Darstellung des Problems durch die Politik. Denn das ganze Denken war so festgefahren, dass man eigentlich mit logischem Verstand nicht mehr weiterkam. So empfand ich es zum Beispiel. Ich mochte Chase Williams, aber ich konnte die Sichtweise der Politik nicht verstehen. Aber dieser Machtkampf, diese Revolution die in diesem Buch hervorsticht war einfach total interessant und durch die Sicht des Politikers Chase Williams wurde mein Interesse noch mehr geweckt. Denn wir haben hier vorangehend drei Personen. Patrick ist ein relativ normaler Junge, Claire ein infiziertes Mädchen, dass aber eigentlich nur in Frieden wie jeder andere Mensch leben will. Und Chase, der Politiker, der Boss, der letzendlich das hasst was er selber wird. Wir haben also die Sicht von zwei Normalos und einem Fadenzieher. Man lernt die verschiedenen Sichtweisen kennen, sowohl die "Gesunden" als auch die Infizierten. Zwei Seiten, die man so eigentlich gar nicht unterteilen kann. Denn es gibt immer unterschiede in den eigenen Reihen, eine Person möchte in Frieden gelassen werden, eine möchte in den Kampf ziehen. Meiner Meinung nach hätte diese ganze Geschichte gar nicht so richtig funktioniert, wenn man nicht die oberste politische Schicht mit drinnen gehabt hätte. Denn dadurch hatte man ein Gefühl dafür, wo die Sache eventuell hinverlaufen könnte. Was mir auch sehr gut gefiel, war diese durchdachte Historie. Die biologische Erklärungsweise und die Geschichte der Infizierten fand ich klasse durchdacht. Mir persönlich haben allerdings die letzten Kapitel am besten gefallen. Allein schon der Ort wo diese gespielt haben und die vorangegangene Katastrophe hatten mich voll in ihrem Bann. Die Atmosphäre war einfach richtig klasse und ich konnte es zum Schluss nicht mehr aus der Hand legen. Faszinierend, wie gut diese Geschichte durchdacht war und wie sie für mich letzendlich funktioniert hat. Zu Beginn war meine Begeisterung leider noch gemäßigt, aber nach und nach wurde es immer besser. Das lag vor allem auch an den Charakteren. Denn ich mochte Claire, die eigentlich das typische Normalomädchen ist, Patrick, der erst einmal in eine Art "neues" Leben hineinschlüpfen muss. Chase war mir ehrlich gesagt auch ziemlich sympathisch, obwohl er ein sehr spezieller Typ war. Und dann gab es noch ein paar Nebencharaktere, die mir sehr gut gefallen haben. Da war zum einen Miriam, die Tante von Claire, die man kennen lernt. Und obwohl sie sehr distanziert und kämpferisch rüber kam, mochte ich sie doch sehr. Vor allem die Verbindung zwischen ihr und Claire hat mir wirklich gut gefallen und ging mir auch sehr nahe. Miriam ist mir sehr ans Herz gewachsen und ich habe ständig mit ihr mitgefiebert und mitgefühlt. Dann gab es da noch einen Forscher, Neal, der von den Politikern die nötigen Mittel erhält, um nach einem Impfstoff zu forschen. Sein Schicksal und auch das seiner Tochter gingen mir doch sehr nahe, denn er wirkte auf mich wie ein herzensguter Mensch. Die Charaktere waren meiner Meinung nach super ausgearbeitet, jeder hatte seine Geschichte. Keiner war überflüssig. Und meine Gefühle haben sie alle irgendwie beeinflusst. Egal ob durch Wut, Trauer oder Mitleid. Wobei letzteres wohl überwog. Alles in allem ist diese Geschichte umfangreich und komplex, aber es unbedingt wert, gelesen zu werden.

Charaktere:

Claire: Ein junges Mädchen, ungefähr im Alter von 16 - 17 Jahren. Sie verliert direkt zu Beginn sehr viel und muss sich alleine rumschlagen. Dabei passieren so allerlei Dinge. Claire war mir sehr sympathisch, sie hat direkt eine Art Wandlung im Buch durch gemacht. Das bemerkt sie auch selber. Sie war sich ihrer Sache eigentlich immer ziemlich sicher und wirkte sehr selbstbewusst. Dennoch musste sie sich an die neue Situation erst einmal gewöhnen. Und manchmal hat man einen Funken Unsicherheit in ihrer Art gemerkt. Natürlich konnte sie auch nicht immer nur nett und freundlich sein. Sie war mir sympathisch, ja. Aber wenn man ganz alleine in einer fremden Gegend unterwegs ist, wird man nun mal misstrauisch. Claire war nicht zimperlich und mit der Zeit hat sie immer mehr dazu gelernt. Sie hatte ihr Ziel stets vor Augen und wusste, was sie tun muss, um dahin zu kommen. Mir gefiel sie sehr gut, sie hatte eine eigene sympathische Art und war nicht so ein Durchschnittsmädchen. Sie hat sich vor Gefahren nicht gescheut und konnte sich auch alleine durchschlagen. Und ich mag nun einmal unabhängige Menschen.

Patrick: Ein junger Mann, ungefähr in Claires Alter. Er war ein wenig in sich gekehrter. Ich meine, nach dem er das Trauma mit dem Flugzeug einigermaßen überwunden hatte, war das eigentlich klar. Denn alle kannten ihn und sein Gesicht und alle wusste, was er erlebt hat. Doch Patrick hat sich davon nicht unterkriegen lassen und letzendlich, nach dem er ein paar Abenteuer erlebt hat, ist er immer willensstärker und selbstbewusster geworden. Und er hat das was er tun wollte, in die Tat umgesetzt und nicht einfach nur davon geredet. Patrick ist immer mutiger geworden und hat viel erlebt. Dabei war er mir immer sehr sympathisch. Denn er war nett, freundlich und hilfsbereit und wollte ein Held sein. Vor allem die Verbindung zwischen ihm und seinem Vater hat mir sehr gut gefallen und mich doch sehr mitfühlen lassen.

Chase: Ein Politiker, der nicht leicht zu durchschauen war. Denn Chase war irgendwie so ein untypischer Kerl. Zumindest für einen Politiker. Er hat sich gerne mit Frauen rumgetrieben und wohl auch gerne mal getrunken. Ersteres wurde ihm dann jedoch zum Verhängnis und er wurde zu dem, was er selber bekämpft. Und das war nicht einfach für ihn. Er war viel auf die Hilfe anderer angewiesen und hat sehr viel verheimlichen müssen. Aber das hat ihn irgendwie weniger gestört. Er schien mir ziemlich gewissenlos zu sein. Chase hat immer versucht, den starken Mann zu markieren und vor den anderen gut darzustehen. Irgendwann allerdings, kam er auf die Idee, sich nicht mehr alles sagen zu lassen, sondern die Dinge selber in die Hand zu nehmen. Er hat trainiert und wollte mit aufs Schlachtfeld, mit in den Kampf. Ich weiß nicht wirklich woran es lag, aber Chase war mir nicht unsympathisch, auch wenn er wahrscheinlich darauf aufgebaut war. Trotzdem mochte ich ihn irgendwie ein wenig. Er war einfach was origineller und vielleicht lag es auch daran, dass er nicht nur nach der vorgegebenen Pfeife getanzt hat.

Fazit:
Ein sehr gut durchdachter Roman, der mich wirklich lange beschäftigt hat. Denn darf man alle Menschen über einen Kamm scheren, nur weil sie potenziell gefährlich sein könnten? Mich hat dieses Buch sehr zum Nachdenken angeregt. Denn auch die Charaktere haben mir sehr gut gefallen, und dem ein oder anderen wurde auch Unrecht getan. Mir gefielen vor allem die beiden Frauen Claire und Miriam, deren Geschichten mich emotional sehr mitgenommen haben. Leider war der Anfang für mich wirklich sehr schwierig und zäh. Jedoch kann ich jedem sagen: Weiterlesen lohnt sich!
Dieses tolle Buch erhält von mir 4,5/5 Schmetterlingen.
Mein Dank geht an den Penhaligon Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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