Mittwoch, 4. Juni 2014

Am Ende des Tunnels von Tobias Klatt

Allgemeines:
Titel: Am Ende des Tunnels
Autor/-in: Tobias Klatt
Form:  Taschenbuch (186 Seiten)
Verlag: Feuerwerke Verlag
Erscheinungsjahr: 2014
Preis: 8,99 €
ISBN: 978-3-945362-02-0

Klappentext:

Der Roman zum Steglitz-Coup von Dr. Tobias Klatt.

Frank ist Flaschensammler. Bis zu dem Tag, da er den amerikanischen Draufgänger Ben und den iranischstämmigen Moralisten Mozdeh trifft. Auf der Suche nach einer Möglichkeit, die gesellschaftlichen Zwänge hinter sich zu lassen, planen sie einen Tunneleinbruch auf eine Bank in Berlin Steglitz. Der erste Spatenstich ist einfach, doch dann gerät der Coup außer Kontrolle.

Von einem verbrechenserfahrenen Obdachlosen angeleitet und einem polnischen Mafiaboss gejagt, müssen sie ihr Vorhaben auch noch vor der eigenen Überzeugung und der schönen Tochter des Filialleiters rechtfertigen. Und wie schafft man es eigentlich, einen knapp vierzig Meter langen Tunnel präzise zu einem Tresor zu führen?

Die Gangsterkomödie beruht auf einer wahren Begebenheit, die sich über mehrere Monate bis Januar 2013 in Berlin-Steglitz ereignete.

Gestaltung:
Ich finde das Cover irgendwie cool. Die Farben sind gut gewählt und die Männchen gefallen mir gut. Besonders toll ist aber das Material, aus dem das Buch ist. Denn das ist so weich, so ein bisschen gummiartig. Leider weiß ich nicht genau, wie man das nennt.

Meinung:
Der Steglitz-Coup ging letztes Jahr auch an mir nicht vorbei. Und da ich gerne so reale Geschichten lese und der Autor mich so nett gefragt hat, wollte ich dieses Buch gerne lesen. Der Einstieg war leider etwas verwirrend, da ich erst einmal Probleme damit hatte herauszufinden, wer denn gerade spricht. Als sich das dann geklärt hatte, war es eigentlich relativ einfach weiterzulesen. Es ging alles recht flott, aber das Tempo war angemessen und hat meinen Lesefluss nicht gestört. Der Schreibstil war ebenso einfach zu lesen und authenthisch, ich kam also nicht ins Stocken. Die Geschichte dreht sich wie im Klappentext geschildert um drei Männer. Das sind Frank, Ben und Mozdeh. Ich muss gestehen, dass mir von den dreien Mozdeh am besten gefallen hat. In ihn konnte ich mich am besten hineinversetzen und seine Entscheidungen verstehen. Aber dazu gleich mehr. Die Geschichte war gut und hat mich auch an ihren Höhepunkten sehr gefesselt und mitfühlen lassen. Vor allem beim Ende, das ich so nicht erwartet hätte. Generell war das Buch sehr undurchschaubar, man wusste nie was als nächstes passiert. Es war unterhaltsam und realistisch, ich habe die Geschichte gerne gelesen. Allerdings hat sie mich nicht so sehr vom Hocker gehauen, dass sie die Höchstpunktzahl verdient hätte. Dafür war mir dann doch etwas zu wenig Spannung da. Auch die Freundschaft der drei Männer hätte noch ein klein wenig tiefer gehen können, die wurde ein bisschen oberflächlich rübergebracht. Was für mich persönlich nicht unbedingt hätte sein müssen, war diese irgendwie vorhandene nicht-vorhandene Liebesgeschichte. Das hat mich jetzt nicht großartig gestört, aber mitgerissen hat es mich auch nicht. Es war einfach da und mehr irgendwie nicht. Bei mir zumindest hat es jetzt keine großen Emotionen ausgelöst. Aber die Geschichte an sich war schon wirklich gut durchdacht und interessant. Immerhin liest man nicht alle Tage ein Buch aus der Sicht von Bankräubern und auch wenn es erschütternd klingt, in der Situation in der die Drei sind, wüsste ich nicht, ob ich nicht genauso handeln würde. (Eher nicht, denn dadurch kommen ja auch andere zu schaden) Vor allem das Ende des Buches hat mich sehr berührt, was ich eigentlich nicht erwartet habe. Mir wurde da wirklich schwer ums Herz und ich war richtig traurig, dass es so zu Ende gehen musste. Trotzdem hat es zum Buch gepasst und eventuell hätte man es sich sogar denken können. Ich hätte es zumindest nicht geahnt und war dementsprechend geschockt als dieser Fall eintrat. Auf den Seiten davor wurde man ja bereits auf das Ende vorbereitet und wusste, dass es wahrscheinlich immer spannender wird. Das war es dann auch, wenn auch nicht spannend genug für die fünf Schmetterlinge.

Charaktere:

 Frank: Ein Flaschensammler, der sich zwar etwas im Gewürzhandel aufgebaut hat, allerdings damit auch nicht das große Geld verdient. Zum Leben zumindest reicht es nicht wirklich. So beschließt er mit Mozdeh und Ben einen Bankraub durchzuziehen. Frank war irgendwie so der Mittelfeldtyp. Er war nicht hundertprozentig dafür, aber auch nicht dagegen. Allerdings wirkte er sehr sympathisch, wenn auch manchmal ein bisschen unsicher. Frank ist Deutscher, der nicht wirklich etwas zu verlieren hat. Es hat den Anschein gemacht, wie als hätte er wenig bis gar keine sozialen Kontakte. Seine Miete kann er fast gar nicht bezahlen und eine Familie oder Ähnliches schien er auch nicht zu haben. Was macht man in so einem Fall? Sein einsames und minderwertiges(bezogen auf das Geld) Leben fristen? Nein, Frank packt an und versucht irgendwie die Waage zu halten. Er gräbt zwar mit am Tunnel, versucht aber zum Beispiel auch seine Schulden zu bezahlen und die Mittel für den Zweck wieder gut zumachen. Ich mochte Frank schon sehr.

Ben: Ein Amerikaner, der nach Berlin kommt und direkt mal mit Vorurteilen um sich wirft. Er und Mozdeh hatten regelmäßig die ein oder andere Auseinandersetzung, die zur Unterhaltung beigetragen hat. Allerdings war er auch sehr egoistisch und genau wie Frank hatte er nicht wirklich etwas zu verlieren. Über die Hintergründe der Drei erfährt man sowieso nur wenig. Ben war mir am unsympathischsten. Er war zwar erträglich und passend, allerdings wären wir sicher keine Freunde geworden. Denn schon alleine seine Einstellung hätte mir nicht gepasst. Er kümmert sich nur um seinen eigenen Kram und ihm ist es egal, wer dabei verletzt wird und wer nicht. Hauptsache ihm geht es gut und er kann sich ein schönes Leben machen. Das mag ich leider gar nicht. Ben war auch derjenige, der den Plan mit dem Bankraub geschmiedet hat und die ganze Aktion sogesehen angeführt hat. Leider war er wirklich teils sehr unsympathisch und egoistisch, manchmal sogar etwas arrogant. Ob ich ihn mag oder nicht, weiß ich gar nicht so genau. Irgendwie hält sich das die Waage.

Mozdeh: Ein iranischstämmiger Moralist, der von allen am wenigsten mit dieser Aktion einverstanden ist. Er ist von den drei Männern mein absoluter Liebling. Mozdeh war mir nicht nur am sympathischsten, ich konnte auch sein Verhalten und seine Entscheidungen sehr viel besser nachvollziehen, als die der anderen. Auf mich wirkte es auch so, wie als würde Mozdeh sich wirklich um die anderen Jungs kümmern und sich zumindest dafür interessieren, wie es ihnen geht. Wie als wären sie ihm zumindest ein bisschen ans Herz gewachsen und nicht nur "Arbeitskollegen". Er hat sich von allen am meisten Gedanken um diesen Raub gemacht und sich tatsächlich auch damit beschäftigt, was mit den Anderen ist. Wie zum Beispiel der Bank und ihren Angestellten. Wer leidet unter dem Vorhaben? Diese Frage schien sich Mozdeh fast als Einziger zu stellen. Bei Frank bin ich mir gerade nicht so sicher, ob er nicht ebenso gedacht hat manchmal. Mozdeh war einfach toll, ein ordentlicher Kerl, der vor allem versuchen möchte mit dem Geld etwas Sinnvolles zu tun. Ich mochte ihn total gerne.

Zitate:

"Du hast also ein Recht darauf, dass es dir besser geht als uns? Weil du hier geboren bist. Und ich einige tausend Kilometer entfernt, ja?"
Mozdeh

"Aber man muss Menschen eine Chance geben!" Erneut ballte er die Faust, hob sie und erzeugte tatsächlich ein nicht zu verachtendes Pochen, als er sie auf das Massivholz fallen lies. "Wir glauben daran, dass jeder eine Chance verdient. Und wir als Bank wollen Vertrauen schaffen, Vertrauen in Menschen und ihr Können. Seien Sie überzeugt von sich!"
Filialleiter der Bank zu Frank

Fazit:
Ein gelungenes Debüt, das im Kopf bleibt. Vor allem an Mozdeh werde ich mich noch eine ganze Weile erinnern, denke ich. Die Charaktere waren authentisch und haben mich nicht genervt, die Geschichte wurde gut erzählt und war sehr unterhaltsam. Was wagt man, wenn man nichts zu verlieren hat? Was tut man, um aus dem tristen Leben auszubrechen? Die Drei sind das Risiko eingegangen und haben mich durch eine realistische Geschichte geführt.
Für dieses Buch vergebe ich 4/5 Schmetterlinge.
Vielen Dank an Tobias Klatt für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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