Montag, 22. September 2014

Keine Angst, es ist nur Liebe. von Marlies Zebinger

Allgemeines:
Titel: Keine Angst, es ist nur Liebe.
Autor/-in: Marlies Zebinger
Form: E-Book (335 Seiten)
Verlag: Feuerwerke Verlag
Erscheinungsjahr: 2014
Preis: 2,89 € (Auch als Taschenbuch erhältlich)
ISBN: 978-3945362044

Klappentext:

Anna hat Angst vor so ziemlich allem, besonders vor der Liebe. Dieser hat sie eigentlich bereits abgeschworen – sie hält nichts mehr von rosaroten Brillen, Bauchkribbeln oder schmachtenden Blicken. Bloß nicht!

Doch plötzlich ist da Matts. Er vertraut auf sein Gefühl und bittet Anna, sieben erstaunliche Angstbewältigungsaufgaben zu lösen. Denn er vermutet, dass es nur die Angst ist, die ihr im Wege steht. Überraschenderweise ist Anna einverstanden und begibt sich mit kleinen Schritten, die von ganz alleine immer größer werden, auf die befreiende Suche nach sich selbst - und damit auch auf die Suche nach der Liebe ihres Lebens...

Meinung:
Das Cover finde ich sehr schön, es ist sehr bunt und hat irgendwie so eine schöne Atmosphäre. Mit den Briefen und der Sonnenblume passt es auf jeden Fall sehr gut zur Geschichte. Es fängt alles damit an, dass Anna sich auf den Weg zu ihrer Oma macht und auf diesem Weg bekommt sie Angst. Denn sie ist eine sehr ängstliche Person und deswegen auch in Therapie. Bei ihrer Oma angekommen lernt sie Matts kennen. Er kommt vorbei um die Heizung zu reparieren und man merkt direkt, dass da ein Funke übergesprungen ist. Der Anfang fiel mir nicht schwer, ich kam relativ gut. Allerdings fiel mir direkt etwas auf. Denn Anna war ja bei ihrer Oma und nannte diese immer "die" Oma. Kann sein das es jetzt Haarspalterei ist, aber mir fiel es auf und es hat das ganze etwas distanziert. Es war nicht "meine Oma", sondern "die Oma". Das hätte theoretisch jede Frau sein können, also auch die Frau von gegenüber. Wie gesagt, es fiel mir einfach auf da es für mich immer etwas Distanz hineingebracht hat. Das selbe gab es auch bei anderen Personen. Bei der ersten Begegnung mit Matts fiel mir wieder etwas auf: Anna hat zwanghaft versucht teilnahmslos zu wirken. Und das war der erste Moment, in dem mir Anna echt sympathisch war. Denn genauso geht es mir auch immer. Das fand ich schon wieder echt schön, denn es hat mir doch geholfen, mit Anna eine Beziehung aufzubauen. Anna ist ein sehr ängstlicher Mensch und Matts, der sie näher kennen lernen will, versucht ihr da etwas zu helfen. Und das ganz schön hartnäckig. Wobei seine beweggründe bis zum Schluss geheimnisvoll bleiben. Er stellt Anna jeden Tag eine neue Aufgabe, bleibt selbst allerdings im Verborgenen. Mir gefiel diese Grundidee sehr gut und ich war wirklich neugierig wie sich das alles entwickelt. Vor allem da man bei Anna manchmal einfach nicht wusste, wie sie sich entscheidet. Es gab aber auch ein paar Punkte, die mir aufgefallen sind. Da wären Annas Ängste. Ich bin keiner dieser Menschen die so unter der Angst leiden wie Anna, aber ich habe mich oft in ihr wiedergefunden. Als Matts einfach so zum allerersten Mal bei ihr klingelt bekommt sie sofort Panik und denkt, es könnte ein potenzieller Vergewaltiger sein. Zwar gehe ich nicht unbedingt von so etwas aus, aber durch dieses ganze Organmafia-Zeug auf Facebook bekomme ich zum Beispiel bei jedem weißen Transporter Schweißausbrüche. Ich konnte mich also in dieser Situation relativ gut in sie hineinversetzen. Dann kam der nächste Punkt, der mich einfach glücklich gemacht hat. Matts schreibt ihr einen Brief und legt in ihr unter die Fußmatte. Er hat sie zuvor ein einziges Mal bei ihrer Oma gesehen und wirklich geredet haben die da nicht. Und er schreibt ihr, dass er sie kennen lernen möchte. Einfach so, weil er sie einmal gesehen hat. Zum einen war dieser erste Brief einfach total süß, zum anderen finde ich diese Idee einfach süß. Einfach mal tun, wozu das Herz einen leitet. Oder auch einfach mal nett sein, jemandem den Tag versüßen. Sowas finde ich einfach toll und ich wäre selbst gerne so mutig in so vielen Situationen. Aber dafür habe ich zuviel Angst vor dem, was die Leute denken, genau wie Anna! Generell hatte ich sehr oft das Gefühl, mich selbst in Anna wieder zu finden. Das ganze Buch wird aus ihrer Perspektive erzählt und so bekommt man auch ihre Gedanken mit. In diesen ging es auch mal um mangelndes Selbstwertgefühl und da dachte ich wirklich, dass es verhext ist, wie sehr mich dieser Charakter an mich selbst erinnert. Es war wirklich beängstigend, vor allem da es noch ganz oft solche Situationen gab. Zum Beispiel hat Anna ca. 350 Zweifel und ihre Realtitäsbeurteilung ist meiner doch sehr ähnlich. Ich konnte sie also dahingehend verstehen, andererseits gab es auch Situationen, wo ich nicht in ihren Kopf hineingucken konnte. So hat sie zum Beispiel diese Angst vor einer Vergewaltigung, steigt aber trotzdem in Matts Auto, obwohl sie ihn gar nicht kennt. Das hätte auch nach hinten losgehen können! So euphorisch ich dieses Buch am Anfang gelesen habe, so sehr flaute meine Lust es zu lesen irgendwann ab. Denn irgendwann war es für meinen Geschmack einfach zu viel. Während Matts erster Brief mir noch richtig gut gefallen hat, wurden sie von mal zu mal kitschiger und auch seine Verabredungen mit Anna am Anfang (das Cafe zum Beispiel) waren dann doch ein bisschen viel. Und dann gab es auch noch eine furchtbare Begegnung mit Annas Exfreund, der nicht unschuldig an ihren Ängsten ist. Da hat mir Anna echt leid getan und die Wort für ihren Exfreund spare ich mir hier mal, denn das würde wohl den Rahmen sprengen. Zudem gab es noch ein paar andere Negativpunkte. Anna schreibt in ihren SMS zum Beispiel fast immer ... weil ... Da gibt es keinen ordentlichen Satzanfang. Am Anfang habe ich da noch drüber hinweg gesehen, aber irgendwann ging einem das einfach nur noch tierisch auf die Nerven. Genauso wie ihre gedanklichen Aufzählungen. So zählt sie zum Beispiel auf, wo Leute in der Öffentlichkeit überall telefonieren. Das ging dann mitunter eine ganze Seite so und das nervte doch sehr. Zum einen muss ich wirklich sagen, dass mir das Ende leider überhaupt nicht gefallen hat. Mir kam es leider wirklich so vor, wie als wolle man hier das Buch unnötig in die Länge ziehen und künstlich spannend machen. Und ganz ehrlich, Annas toller Einfall am Ende, das wäre das erste gewesen, was ich an ihrer Stelle kontrolliert hätte. Es tut mir wirklich leid, am Anfang hat mir dieses Buch vor allem wegen der super Protagonistin total Spaß gemacht, aber dann wurde es mir einfach etwas zu viel. Zu viel Kitsch. Vor allem wegen Matts. Trotzdem hat es mich gut unterhalten und ich bereue nicht, es gelesen zu haben.

Charaktere:

Anna: Eine junge Frau, die oft mit ihren Ängsten kämpfen muss. Sie war eine nette Protagonistin und gefiel mir sehr gut. Sie mag Shopping Queen und steht total auf Mode und Marken. Aber sie ist trotzdem keine Tussi, es machte sie irgendwie herzlich. Anna kocht gerne und das hat mir selber zum Beispiel auch Lust aufs Kochen gemacht. Und ich koche nicht gerne. Aber sie tat das mit so einer Freude bei der Sache, da sprang der Funke auf mich über. Andererseits übergeht Anna gerne mal das Offensichtliche und versucht es zu verleugnen. Vor allem in Bezug auf Matts und die Angst. Eigentlich gefiel mir Anna wirklich sehr gut, ich mochte sie sehr und konnte mich relativ gut in sie hineinversetzen und verstehen. Denke ich, immerhin leide ich selber nicht unter dieser ständigen Angst. Aber ich fand Anna wirklich nett und freundlich. Wobei es auch mal Zeitpunkte gab, wo ich ihre Entscheidungen nicht ganz nachvollziehen konnte. Und Anna ist auch jemand, der sehr weit voraus denkt, zu weit! Das war wieder so etwas, was ich echt nicht verstanden habe. Das hat mich auch total irritiert, ihrer Sympathie aber keinen großen Abbruch getan. Mir gefiel Anna sehr gut und ich mochte sie wirklich, auch wenn mir ihr Auftreten in den letzten Seiten nicht mehr so gefallen hat. Da wurde sie etwas nervig. Trotzdem war sie eine tolle Protagonistin.

Matts: Ein junger Mann, der auf den ersten Blick sehr unbekümmert und lebensfroh wirkt. Auf den ersten Blick. Aber das ist nicht ganz das, was ihn ausmacht. Die ganze Zeit grübelt man über seine Gründe, warum er so an Anna interessiert ist. Er wirkte zu Beginn wirklich sehr nett und ich habe es einfach darauf geschoben, das er ja sehr hilfsbereit sein könnte. Ich fand sein Verhalten und seine Bemühungen am Anfang auf jeden Fall sehr süß, aber irgendwann wurde es zu viel, zu kitschig, zu nervig. Leider hat das der Geschichte mit Matts einen großen Abbruch getan. Ich konnte ihn auch nicht halbsogut verstehen wie Anna und irgendwann war sein Verhalten einfach nur noch rätselhaft für mich. Eigentlich traurig, aber obwohl er sympathisch war, konnte ich keine richtige Bindung zu ihm aufbauen.

Zitate:

Wir sind viel zu sehr damit beschäftigt, das Glück festhalten zu wollen, so dass wir noch während wir glücklich sind davor Angst haben, es im nächsten Moment womöglich nicht mehr zu sein.
Anna

Leben bedeutet, das Leben anzunehmen, wie es ist, es zu akzeptieren und es einfach zu lassen. 
Anna

Mein persönlicher Soundtrack:
 
Fazit:
Ein ganz nettes Buch mit einer wirklich tollen Hauptperson und einer eigentlich schönen Grundidee. Durch Matts und den zunehmenden Kitschfaktor wurde der Spaß am Lesen allerdings etwas reduziert. Es gab vieles was mir negativ, aber auch positv, auffiel. Für Leser denen der Klappentext zusagt, ist es bestimmt etwas. Mir gefiel es ganz gut und ich fand es wirklich unterhaltsam.
Dieses Buch bekommt von mir 3,5/5 Schmetterlinge.
Vielen Dank an die Autorin Marlies Zebinger für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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